„Warum bin ich so?“ – Alexander Sedivy

von | Apr 18, 2020

/ Ilia Ambros:

Wie kam es eigentlich, dass du als studierter Jurist Kabarettist geworden bist?

/ Alexander Sedivy:

Ich habe mich schon früh für den Juristenberuf zu interessieren begonnen, weil ich mir gedacht habe, Anwalt wäre das Richtige für mich. Da kann man Menschen helfen. Dann hat Udo Jesionek, der Präsident des Jugendgerichtshofs, in unserer Schulklasse eine Infoveranstaltung gemacht. Er hat das derartig lebendig gestaltet, natürlich und interessant gesprochen, dass ich bestärkt und ziemlich sicher war: Ich will Anwalt werden. Beim Studium habe ich natürlich schon gemerkt, das ist ein bisschen zäh, da muss man richtig Gas geben und dranbleiben. Da sind oft tausende Seiten Stoff, wo man sehr viel auswendig lernen muss, aber eben auch auf Verständnis lernen muss, sehr viel anwenden und viel auf den Punkt bringen muss. Das sind nicht meine größten Stärken. Ich habe mir aber gedacht, ich mach’s trotzdem fertig, ich möchte mir das beweisen. Ich habe dann auch eine Stelle als Jurist gefunden, habe vorher das Gerichtsjahr gemacht und gemerkt: Richter ist nichts für mich, Urteil sprechen über andere, das geht für mich nicht. Ich bin zu vielschichtig in meiner Gedankenwelt, als dass ich das Gefühl hätte, dass ich da ein Urteil sprechen kann, wenn Schicksale von Menschen betroffen sind. Ich habe während des Gerichtsjahrs auch das Alltagsleben eines Anwaltes kennengelernt und habe mir gedacht: Okay, was mach‘ ich jetzt? Außerdem hat sich alles geändert, während ich studiert habe. Als ich begonnen habe, war Jurist noch der sicherste Job für einen Absolventen, als ich fertig war – ein paar Jahre habe ich gebraucht – war’s der unsicherste Job, weil es einen Aufnahmestopp für den öffentlichen Dienst gegeben hat. Auf einmal hat es keine Jobs für Juristen gegeben. Jetzt war ich arbeitslos. Richter wollte ich nicht werden, Anwalt wollte ich nicht werden. Es hat sich dann ergeben, dass ich beim Magistrat der Stadt Wien untergekommen bin. Davor habe ich noch so eine postgraduate Ausbildung in Wirtschaftsangelegenheiten machen können und habe begonnen zu arbeiten. Einerseits schön und auch teilweise erfüllend, ich habe aber gemerkt, mit vielen Dingen, die da erforderlich sind, komm‘ ich nicht ganz zurecht.

Wie hast du dann den beruflichen Kurswechsel und Absprung geschafft?

Ein guter Freund hat eines Tages zu mir gesagt: Du bist irgendwie nicht so richtig glücklich. Ich habe gelesen, da gibt’s ein Comedy Casting im Cabaret Stadnikow. Du hast in der Schule immer Klavier gespielt, gesungen, Lehrer imitiert, Fußballer imitiert. Machst du da gar nichts mehr? Und ich habe geantwortet: Na, ja… für mich selber schreibe ich Lieder. Für mich selber schreibe ich Texte, aber das ist eigentlich für niemand anderen bestimmt. Darauf er: Willst du bei so einer Gelegenheit nicht probieren, dich zu zeigen? Ich habe ein paar Nächte darüber geschlafen und nachgedacht. Mich auf eine Bühne zu stellen, passt eigentlich nicht zu mir. Ich bin nicht gern im Mittelpunkt. Es liegt mir nicht, dieses: Ich stell‘ mich wohin, seht alle her, ich bin da. Das mag ich nicht! Aber ich erzähle gern und die Dinge kommen einfach aus mir heraus. Ich nehme verschiedene Rollen einfach an. Es passiert mir. Im Nachhinein sagen mir dann die Leute: Jetzt hast du mindestens fünf Rollen gespielt, während du mit uns gesprochen hast. Mir selbst war das gar nicht bewusst. So habe ich an dem Wettbewerb teilgenommen und war gleich vorn dabei. Und der Preis war dann, dort einen Abend zu gestalten. Das war schon zwei Monate später, also brauchte ich schnell ein Programm. Ist mir gelungen. Zwei, drei Freunde habe ich eingeweiht, mehr nicht. Ich wollte erst einmal schauen, ob es mir taugt. Es hat mir getaugt, aber gleichzeitig habe ich mir gedacht, die Leute haben schon gelacht, aber ich weiß nicht, die Reaktionen waren oft so, dass ich nicht viel gespürt habe. Vielleicht doch nicht das Richtige für mich. Aber nach dem Auftritt haben die Leute dort gewartet und haben gesagt: Wow, das war toll! Und da waren so viele ernsthafte Sachen dabei. Da habe ich mir gedacht: Siehst, man ist oft so komisch. Nach einem langsameren, bedächtigeren Lied oder nach einer ernsthaften Passage will ich ja eigentlich nicht, dass die Leute schreien und johlen. Warum bin ich dann auf der Bühne so, dass ich mir denke: Wieso haben die nicht mehr geklatscht und mehr gelacht oder von sich gegeben? Na, eigentlich gut, weil dann haben sie vielleicht aufgepasst und waren berührt davon.

Nach diesem ersten Abend sind weitere gekommen. Ich habe mich dann bei meinen Eltern geoutet. Die waren ein bisschen perplex. Mein Vater gleich: Aber was ist jetzt mit der Juristerei? Und ich: Ja, ich mach’s eh weiter… So habe ich es eine Zeit lang parallel betrieben und gespürt: Ich bin mit einem Hintern auf zwei Hochzeiten. Mein Herz ist irgendwie da nicht teilbar. Ich muss mich einer Seite zuschreiben. Und nach vielen schlaflosen Nächten habe ich mich dann entschlossen, als Jurist irgendwie einen Stopp zu machen und ganz in die Kabarettwelt einzutauchen.

Was macht dir am meisten Spaß an deinem Job?

Am meisten Spaß macht mir wirklich, den Leuten einfach Dinge zu zeigen, die mich bewegen. In der Hoffnung, dass es sie auch interessiert. Ich mag nie einen Zeigefinger. Ich mag nie ein: Das muss jetzt lustig sein! Das muss euch jetzt zum Nachdenken bringen! Das mag ich überhaupt nicht. Also, am liebsten ist mir nach wie vor, auch nach knapp zwanzig Jahren jetzt: Ich mach einfach was, was ich für mich interessant finde. Es sprudelt aus mir heraus auf der Bühne und die Leute sagen dann: Ja, das war gut! Das war lustig. Oder: Das war zum Nachdenken anregend. Dann macht’s mir am meisten Spaß.

Ich weiß ja über dich, dass du hochsensibel bist. Mich würde jetzt interessieren, wie dir das bewusst geworden ist. Wie bist du auf das Thema gestoßen?

In Wahrheit ist es mir schon als kleines Kind bewusst gewesen. Ich habe schon gemerkt, eigentlich im Kindergartenalter, dass ich anders bin als andere Kinder. Ich bin auch nie im Kindergarten gewesen. Wir waren drei Kinder. Meine Mama, die war bei uns zu Hause und hat gemerkt, das wäre nichts für mich. Gott sei Dank, sage ich jetzt, vom Gefühl her war das gut. Ich habe nie so mit den anderen Kindern offensiv gespielt, habe mich viel mit mir selber beschäftigt. Bin stundenlang selber gesessen mit Lego, Playmobil und so und habe gespielt und war sehr zurückhaltend, sehr angepasst. Ich habe sehr früh schon gemerkt, egal welche Emotionen es sind, es nimmt mich so stark mit, dass mir richtig übel wird, und das war leider, wenn ich mich vor etwas gefürchtet habe, und wenn ich mich auf etwas gefreut habe. Also praktisch fast dauernd. Ich habe mir ewig Gedanken gemacht: Warum bin ich so? Das habe ich mir damals schon gedacht. Ich sage es ganz offen: Ich war in der Volksschule dazwischen immer am Klo, weil ich es nicht mehr gepackt habe. Ich weiß, dass ich mir gedacht habe: Was mache ich jetzt? Gehe ich schon zurück? Gehe ich hinein? Bin ich schon wieder gewappnet, mich da einzuverleiben in diese Gemeinschaft, die mich überfordert? Andererseits, wenn ich jetzt noch länger da alleine bleibe, es wird nicht besser. Ich habe das Glück gehabt, dass ich eine erfahrene Volksschullehrerin gehabt habe, die gewusst hat, wie sie mich gut lenken und ablenken kann. Die hat schon Erfahrungen mit meinem Bruder gehabt, der acht Jahre älter ist, der schon bei ihr war. Der hat, so wie ich, eigentlich immer lauter Einser gehabt. Weil er sich leicht getan hat, so wie ich im Prinzip auch. Bei mir war immer diese große Schere. Eigentlich alles gehabt, Null Fehler beim Diktat, alles gekonnt, aber emotional habe ich mir total schwergetan. Meine Mama ist mir da richtig toll zur Seite gestanden und hat das geschafft, mich so zu lenken, dass ich eigentlich früh schon gespürt habe: Ich will mich jetzt wegen ihr zusammenreißen. Sie tut mir so leid, weil sie auch so darunter leidet, dass es mir nicht gutgeht, dass ich meiner Mama helfen will. Ich will jetzt stark sein für mich und für meine Mama. Das weiß ich noch ganz genau, dass ich das in mir gehabt habe. Und so habe ich mich halt mit meiner Mama schrittweise aus dem herausgekämpft. Meine Volksschulzeit war eigentlich jeden Tag so.

Wann bist du das erste Mal auch auf den Begriff „Hochsensibilität“ gestoßen?

Ich glaube, das war vor ungefähr eineinhalb Jahren in einem Artikel der „Presse am Sonntag“, wo es um die Arbeitswelt und das Thema „Hochsensibilität“ gegangen ist. Den Artikel habe ich mir ausgeschnitten und aufgehoben. Ich habe ihn mir zwar durchgelesen, aber so wie andere Dinge, für später lesen abgelegt. Und dann hat es von einer anderen Zeitung einen Online-Test gegeben für hochsensible Kinder. Da bin ich dann wirklich darauf gestoßen, weil mein Sohn ist mittlerweile vier, damals war er zweieinhalb oder drei und ich habe in diesem Test meinen Sohn und auch mich rückwirkend wiedererkannt. Das heißt, das war sowohl die Bestätigung für mich, dass ich hochsensibel bin und ein hochsensibles Kind war, als auch, dass mein Sohn es ist. Und da ist in mir die Überzeugung gereift: Ich möchte da mehr wissen darüber. Ich möchte mehr tun. Und so habe ich mich für das Thema immer mehr interessiert.

Wie macht sich jetzt in deinem Erwachsenenleben diese Hochsensibilität bemerkbar?

Es macht sich insofern bemerkbar, dass ich Gott sei Dank nicht mehr dieses Erscheinungsbild der Übelkeit habe. Das hat sich irgendwann im Heranwachsen in der Mittelschule gegeben. Bis auf einzelne Comebacks, die es hin und wieder gab. Aber die Zuversicht ist bei mir gewachsen. Okay, das sind jetzt Ausreißer. Das ist nicht mehr der Alltag. Diese Stufe hast du geschafft. Und jetzt schaffst du, dass das ganz wegbleibt. Auch das habe ich geschafft, habe aber gemerkt, mich berühren viele Dinge einfach und ich nehme irrsinnig viele Dinge wahr. Wo man als Kabarettist natürlich Lob dafür bekommt. Was Ihnen alles auffällt! Und stimmt! Das habe ich auch bemerkt in der Straßenbahn, aber dass der dann wirklich so schaut und sich so bewegt und dass dann die andere Person das darauf sagt, das hätte ich jetzt nicht mehr so schildern können. Und so ist es eben. Ich kann gar nichts machen. Ich habe so viele Antennen. Ich nehme immer das ganze Paket sofort wahr. Wie wenn ich das alles downloaden würde in dem Moment. Und gar nicht alles weiß, aber meine Antennen saugen alles auf und dann filtert es sich immer mehr. Was habe ich da jetzt eigentlich alles mitbekommen?

So wie du das jetzt in Bezug auf deinen Beruf schilderst, ist das ja durchaus positiv. Was sind die Herausforderungen dabei?

Die Herausforderungen sind: Wie geht man mit dieser Download-Menge um. Da liegen dann die Gigabyte-Daten irgendwie in der Hirnfestplatte und arbeiten so vor sich hin. Man hat immer wieder Assoziationen zu gewissen Punkten von diesen Erlebnissen. Dann denkt man sich: Aha, das ist auch noch. Jetzt habe ich die Idee! Aber eigentlich habe ich ja eine andere Idee gehabt. Passt das zusammen? Habe ich da vielleicht sogar schon zwei Sketches für ein Programm oder ist das ineinander verzahnt? Oder passt das nicht hin? Könnte das die Leute interessieren? Oder ist das schon wieder zu viel? Ist es zu ausgeklügelt, zu sophisticated für den Mainstream? Interessiert das dann keinen mehr, weil sich das dann schon so verschachtelt, dass ich ärger unterwegs bin als der Gunkl? Oder ist das gerade was, wo die Leute sagen: Ah, das ist fein gesponnen, das ist schön. Das ist eben die Herausforderung: Was tue ich mit den Reizen? Was tue ich mit den Emotionen, die alle in mir sind? Was tue ich mit den Informationen? Und das alles zu filtern und in Form zu bringen, dass man selber damit zufrieden ist und in meinem Fall, dass die Leute das dann auch nehmen können. Man kann ja das Publikum nicht immer überladen. Ich kann ihnen ja nicht die ganzen Downloadpakete sozusagen hinwerfen, da sind alle erschlagen. Ja, das ist halt wirklich eine Herausforderung. Und ehrlich gesagt: Wie bleibe ich selber gesund bei dem Ganzen? Weil es fordert wirklich die Psyche und aber auch die Physis.

Hast du irgendwelche Rezepte oder machst du irgendetwas Bestimmtes?

Ich bin ehrlich gesagt erst so richtig dabei, immer mehr für mich kennenzulernen. Ich mache noch zu wenig. Weil ich eine Zeit hinter mir habe, wo ich ziemlich angegriffen war, auch gesundheitlich. Ich war ja jetzt im Kabarett Simpl vier Jahre. In derselben Zeit ist mein Sohn auf die Welt gekommen. Das war halt sehr viel auf einmal: Neu Vater sein, neu im Simpl sein und meine Hochsensibilität dazu, das war eine körperliche und psychische Herausforderung für mich, muss ich ehrlich gestehen.

Du hast jetzt schon das Stichwort „Vater sein“ gegeben. Es würde mich interessieren: Man geht ja davon aus, dass 15 bis 20 % der Menschen überall auf der Welt hochsensibel sind, und das unter Männern und Frauen gleichermaßen verteilt ist. Kennst du andere hochsensible Männer bzw. wie geht es dir als hochsensibler Mann, Ehemann und Vater?

Ich sage einmal, es ist für mich wirklich wohltuend gewesen, den Begriff und vor allem den Inhalt der Hochsensibilität zu entdecken und aufzunehmen. Ich sag’s jetzt einfach so: Das, was einem an einem selber ein bissel komisch vorkommt, wo man auf der anderen Seite das Gefühl hat, das hebt mich positiv ab, da sind schon Sachen dabei auf die ich – stolz ist jetzt ein bisschen zu viel gesagt – wo ich mich gut damit fühle, sagen wir so. Die sind dabei, aber es sind auch Sachen, die von mir selber oder wie ich glaube zu merken, auch von anderen ein wenig komisch beäugt und aufgenommen werden. Es gibt dem Ganzen durch die Hochsensibilität einen Begriff und füllt das mit Inhalt, wo man sagt: Ah, das ist es! Ganz plump formuliert: Ich bin nicht gaga. Ich bin nicht irgendwie verrückt. Ich bin nicht irgendwie psychisch ang’haut. Es ist ganz einfach: Ich habe eine gewisse Veranlagung, eine gewisse Vernetztheit in meinem Kopf, die eine stärkere Ausprägung hat, als bei anderen Menschen. Deswegen nehme ich so viel wahr, aber deswegen hat das halt auch wieder Herausforderungen. Blöd gesagt: Ich bin nicht verrückt, ich bin nur irgendwie speziell veranlagt. Das ergibt Chancen in meinem Leben und das bringt aber eben auch Dinge mit sich, die man berücksichtigen muss, damit es nicht zu einem Problem wird. Da hat mir das geholfen. Und als Mann ist es eben so. Gott sei Dank habe ich dann meine Frau kennengelernt, aber auch erst als ich vierunddreißig war. Es ist eigentlich nicht schlecht, dass ich gut mit den Mitmenschen auskomme, und dass ich sensiblere Seiten habe. Aber das alles in Einklang zu bringen, war für mich schwierig. Und da hat man sich oft Vorwürfe gemacht und dann denkt man sich: Warum ist man da so komisch? Und gerade als Mann: Was heißt, da muss man tougher sein, da gibt es nicht zu viel zu überlegen. Da muss man Entscheidungen treffen. Da gibt’s kein Herumtun. Da gibt’s keine Tränen. Da gibt’s nicht zuviel Emotionen zeigen. Da habe ich nur gespürt: Ich habe das aber trotzdem in mir. Und das ist ein Teil von mir. Aber wo ordne ich das ein? Und da hat mir das sehr geholfen zu sagen: Okay, das ist etwas, das gibt es, das ist so in mir. Das ist nichts Schlechtes, das ist nichts Gutes jetzt per se. Das ist einmal so! Das hat nur gute Seiten und Herausforderungen. Meine Frau hat das z.B. sofort an mir erkannt und geschätzt. Und da habe ich eben gemerkt: Wenn es die richtige Person ist, dann funktioniert das eben. Dann ist es kein Nachteil, sondern ein Vorteil. Das ist einfach ein schönes Gefühl, als Ganzer wahrgenommen zu werden. Ich bin auf der Bühne in meinem Beruf und ich will privat nichts spielen! Ich hasse das. Ich möchte ich selber sein können und authentisch sein mit allen Stärken und Schwächen, ich will kein Spiel abziehen. Ich will auch nicht den toughen Mann spielen. Das interessiert mich nicht. Und so war ich nie. Und dann habe ich mir gedacht: Eine richtige Frau kann ja das eh auch nicht wollen. Aber dann haben es viele scheinbar doch wollen (lacht). Und ich habe mir gedacht: Was ist das für eine komische Welt! Aber das hat sich dann doch noch für mich aufgelöst. Durch die Hochsensibilität hat es sich endgültig aufgelöst. Das ist so richtig wohltuend für mich gewesen, dass ich mir denke: Okay, da gibt’s etwas, wo das hineinpasst, wie ich bin.

Du hast ja erzählt, dass dein Sohn offenbar auch hochsensibel ist. Das ist auch etwas ganz Spezielles, nehme ich an.

Ja, weil es ein Kind betrifft. Ein Kind hat sowieso eine eigene Erlebniswelt. Ich bin das erste Mal Vater. Ich habe da keine Vergleichsmöglichkeiten, aber ich habe das sofort bei ihm gespürt. Und ich weiß noch, als meine Mama, die Gott sei Dank auch so feine Antennen hat, zu mir gesagt hat, wie er ein paar Monate alt war: „Das ist ein Wahnsinn. Ich bin ein bissel patschert momentan beim Windeln wechseln, weil ich das nicht kenne. Ich bin die Stoffwindeln von früher gewohnt. Ich kenne diese Pampers nicht. Und der schreit nicht, wenn ich da ein bissel brauche. Der schaut mich gütig an und ich sage: Weißt, die Oma braucht halt ein bissel, die ist halt ein bissel patschert. Und er lächelt und schaut mich gütig an.“ Und ich habe gewusst, das ist nicht erfunden, und ich war dann wirklich dabei. Ich war so Mauserl quasi und habe einmal ums Eck gewartet, wie das wieder war und habe dann zugeschaut und diesen Gesichtsausdruck bei ihm wirklich gesehen. Und ich habe mir gedacht: Ein ganz kleines Wesen, ein paar Monate alt und kann irgendwie schon eine gewisse Güte, ein Darüberstehen und ein Verständnis signalisieren. Und da ist mir das bewusst geworden: Der hat etwas Besonderes. Und ich habe aber gleich ein bissel an mich gedacht und gewusst: Das wird aber wahrscheinlich auch heißen, dass er Herausforderungen damit hat. Und so habe ich das immer mehr bei ihm bemerkt. Als er älter geworden ist, jeden Monat mehr. Über diesen Online-Artikel, den ich erwähnt habe, war ich mir dann sicher: Alles klar, der ist hochsensibel, hat tolle Fähigkeiten, ist wirklich schon eine tolle Persönlichkeit, obwohl er so ein junger Mensch ist, aber man muss das teilweise auch in gewisse Bahnen lenken, sonst ist es ihm zu viel.

Er geht schon in den Kindergarten?

Er geht in den Kindergarten. Dort stößt er auf Herausforderungen, trifft dort aber auch auf viel Unterstützung, wurde von Anfang an gut aufgenommen. Es war eine große Überlegung, ob wir ihn schon so früh in den Kindergarten geben sollen oder nicht. Aus der Retrospektive muss ich sagen, es war richtig, aber deswegen, weil’s der richtige Kindergarten ist, weil die richtigen Personen dort sind. Das ist wirklich ein spitzen Kindergarten mit tollen Pädagoginnen, die genau das Richtige für ihn sind.

Ist dort der Begriff der Hochsensibilität auch schon bekannt oder sind die einfach feinfühlig genug, dass sie auf seine Besonderheit eingehen?

Die sind von Haus aus feinfühlig. Ich habe unlängst einmal begonnen, mit der Leiterin ein bisschen über das Thema Hochsensibilität zu sprechen. Möchte das auch fortsetzen, wenn es sich ergibt. Aber natürlich ist immer Betrieb, und da ist nicht so viel Zeit, aber ich habe schon vor, das auch ein bisschen mehr zu verankern, weil es für Menschen, die in dem Bereich arbeiten, schon interessant ist, da auch mehr darüber zu wissen.

Ein ganz anderes Thema: Wir beide haben einander ja bei der Ausbildung zum Experten/zur Expertin für Hochsensibilität kennengelernt. Was hat dich dazu bewogen, diese Ausbildung zu machen bzw. wie bist du überhaupt darauf gestoßen?

Da schließt sich eben wirklich der Kreis. Weil ich diesen Online-Test für meinen Sohn gemacht habe und selber reaktiviert wurde in dem Bewusstsein. Ich habe dann wieder den Artikel gefunden, den ich mir aufgehoben hatte. Das hat auch gepasst für mich, habe dann recherchiert im Internet, habe auch so einen Online-Test für mich gemacht und gewusst: Okay, ich bin auch hochsensibel. Und habe mir gedacht, ich möchte da mehr darüber wissen, auch mit dem Wunsch, sowieso etwas für mich tun zu wollen und mich weiterbilden zu wollen. Ich habe in der U-Bahn, wenn dort das Wifi-Kursprogramm hängt, immer so durchgeblättert vor allem im Persönlichkeitsbereich. Das interessiert mich. Und bin dann dort eben auch auf diesen Kurs Experte/Expertin für Hochsensibilität/Hochsensivität gestoßen und habe mir gedacht, da gehe ich einmal zu dem Infoabend. Höre mir das an und wenn das halbwegs so ist, wie ich mir das vorstelle, möchte ich das gerne machen. Und so war es auch. Das war gleich von Anfang an – wie soll ich sagen? – sehr sympathisch, professionell, so, dass man sich denkt, das interessiert mich wirklich und bringt mich weiter. Da habe ich gewusst: Sowohl für mich als auch für meinen Sohn ist da was drinnen und habe mir damals schon so ein bisschen gedacht, vielleicht ergibt sich sogar einmal etwas für mich für ein späteres Programm, für ein Buch, für die Arbeit. Vielleicht ist da auch etwas drinnen für mich, weil mich das Thema einfach fasziniert. Und wie man dann eben gehört hat, und wie du gesagt hast, jeder vierte oder fünfte ist auf jeden Fall davon betroffen. Das heißt, das sind schon ganz schön viele Menschen, die in gewisser Ausprägung auch diese Chancen und diese kleinen Rucksackerl mit sich mittragen und das oft selber gar nicht wissen. Und wenn man dann vielleicht etwas dafür tun kann, dass mehr und mehr Menschen davon wissen, und vielleicht dasselbe erleben können wie ich, dass eine Erleichterung und ein gewisses Abschließen mit Dingen, die man sehr kritisch mit sich selbst ausmacht und mit der Vergangenheit, das würde ich jedem Menschen gönnen. Das ist so etwas Befreiendes, wenn man mit Aspekten der Vergangenheit und Aspekten von sich selbst positiv weitermachen kann, statt negativ und grüblerisch, das ist so befreiend, das sollte jeder Mensch machen.

Was sind deine beruflichen Pläne in näherer Zukunft? Was ist dein nächstes Projekt?

Mein nächstes Projekt ist die „Später Alexander-Show“, wo ich am 26. Jänner die erste Vorstellung damit habe im Casa Nova. Ist auch lustig, weil das heißt „Später Alexander-Show“, die Vorstellung ist aber schon früher, nämlich um 11:00 Uhr Vormittag. Das ist eine Matinee am Sonntag. Die zweite Vorstellung wird dann am Ostersonntag sein. Da ist es mir gelungen, dass der Toni Faber, der Dompfarrer, bei mir am Ostersonntag Abend ins Casa Nova kommt zu mir auf die Bühne und mit mir und den hoffentlich zahlreichen Zuschauern den Abend dort verbringt. Ich habe schon ein ähnliches Showprojekt gehabt oder habe es noch, das bringe ich jetzt am 14. Dezember im Theater am Alsergrund zum Abschluss. Das ist die „Blutbild-Show“. Ich wollte einfach jetzt was erneuern, ein bisschen einen Neustart machen. Möchte aber gewisse Komponenten gleich beibehalten: Es wird von mir Kabarett geben, es wird Gastauftritte geben, und es wird als Highlight das Gespräch mit einem Prominenten auf der Bühne geben, und da versuche ich, mir ein paar neue Dinge einfallen zu lassen, wo die Leute hoffentlich schon gespannt sein können, was da auf sie zukommt.

Du hast anklingen lassen, dass dir auch vorschwebt, das Thema Hochsensibilität vielleicht einmal in ein zukünftiges Programm einfließen zu lassen.

Ja, ich bin jetzt parallel am Beginn des Schreibens eines neuen Soloprogrammes. Das eine sehe ich als Showprojekt, wo ich eben auch jeden Abend anders gestalte, da ist dann nicht dasselbe Programm von mir, da ist immer ein anderer Stargast. Aber natürlich möchte ich dann auch irgendwann in den nächsten Jahren wieder ein neues Soloprojekt starten als Soloprogramm, abendfüllend und da könnte es schon sein, dass das Thema Hochsensibilität in der ein oder anderen Form hineinspielt. Das könnte ich mir schon sehr gut vorstellen. Ob es jetzt mit dem Stempel der Hochsensibilität ist, weiß ich nicht, aber das, was die Inhalte betrifft, die damit verbunden sind, ich glaube, da ist sehr viel drinnen, was man auch kabarettistisch beleuchten könnte, nämlich mit einem ernsthaften Hintergrund aber humorvoll präsentiert.

Ich danke dir sehr für deine offenen Worte, die für mich auch sehr berührend waren und wünsche dir für deine zukünftigen Projekte natürlich alles, alles Gute!

Alexander Sedivy

wurde 1972 in Wien geboren. Nach einem Jusstudium war er einige Jahre als Jurist tätig. Heute arbeitet er als Kabarettist, Schauspieler, Musiker und Autor. Neben seinen selbst verfassten Bühnenprogrammen ist er auch als Sänger und Moderator tätig und entwickelt maßgeschneiderte Bühnenprogramme für Unternehmen.

www.sedivy.at

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Blog-Autorin Ilia Ambros

Als Expertin für Hochsensibilität unterstütze ich Menschen auf dem Weg zu einem leichteren Leben mit ihrer Begabung.

 

Als EFT-Praktikerin gebe ich Ihnen eine Technik in die Hand, um Ängste und Blockaden zu überwinden. Kontaktieren Sie mich und erzählen Sie mir, wobei ich helfen kann.
 
 

Ilia Ambros

 

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